Impulse & News – 21. November 2014

Viele Unternehmer und Führungskräfte fordern neue Ideen in Management und Führung. Die neueste Studie des Bundesarbeitsministeriums befragte 400 Manager und Firmenchefs. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer ist sich sicher, dass es eines grundlegenden Wandels der Führungskultur bedarf. Sonst sei der Standort Deutschland in Gefahr. Und nur jeder Dritte war der Ansicht, dass Führung vor allem dazu dienen sollte, die Rendite zu steigern.

Einigkeit besteht bisher allerdings nur in der Kritik am System. Die Vorstellungen, wie die neue Führungskultur aussehen soll, gehen noch weit auseinander. Wenn wir Zeitungen und Fachartikel lesen, wird von der „neuen“ Führungskraft schier Unmenschliches, ja teilweise scheinbar Widersprüchliches erwartet. Ist modernes Leadership wirklich so komplex und kompliziert?

„Impulse & News“ gibt Antworten und Anregungen, zeigt Wege zu diesen Fragestellungen. Die Konzentration liegt auf den Bereichen Persönlichkeitsentfaltung, Kommunikation & Beziehung, Teamentwicklung und Führung. Neueste Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung, Erfahrungen aus bereits erfolgreich erprobten Methoden übertragen wir in die unternehmerische Praxis. Theoretisches, konkrete Fallbeispiele oder direkt anwendbare Tools wechseln sich ab.

„Impulse & News“ erhalten Sie monatlich.

Bezüglich Ihrer Fragen, Anregungen, Erfahrungen oder Impulse erreichen Sie uns telefonisch unter 0176 80806850 oder per E-mail unter heinz@steudemann-partner.de.

Wir wünschen Ihnen viele Erkenntnisse und vor allem spürbaren Erfolg.

Herzliche Grüße
Heinz Steudemann

„Industrie aktuell“, Fachzeitung der Österreichischen Wirtschaftskammer, Ausgabe 11 / 2014

Entsteht eine neue Führungskultur?

Bei jeder Tätigkeit ist die „inneren Haltung“ wichtig, weil sie Qualität und Ergebnis enorm beeinflusst. Reicht es dabei aus, motiviert zu sein oder zu werden? „Nein“ fand die Gehirnforschung heraus. „Menschen motivieren zu wollen, ist gehirntechnischer Unsinn“, sagt der Neurobiologe Professor Gerald Hüther.

Wie sieht es mit der „inneren Haltung“ der Menschen in unseren Unternehmen aus? Eine Antwort auf diese Frage liefert der Gallup Engagement Index. Das Institut ermittelt jährlich die Stärke der emotionalen Bindung deutscher Arbeitnehmer an ihr Unternehmen. Hier das Ergebnis aus 2013:

  • 17 % der Mitarbeiter haben keine emotionale Bindung. Sie haben innerlich gekündigt.
  • 67 % haben eine geringe emotionale Bindung. Sie machen Dienst nach Vorschrift.
  • 16 % haben eine hohe emotionale Bindung. Sie sind begeistert bei der Sache.

Nach Aussagen renommierter Wissenschaftler kostet dieses verloren gegangene Potential der deutschen Volkswirtschaft jährlich mehr als 120 Milliarden Euro.

Begeistert bei der Sache …

Die Untersuchungen der Gehirnforscher zeigen, dass sich in unseren Köpfen wenig Reaktionen zeigen, wenn wir von außen motiviert werden. Gehaltserhöhung, Incentive oder Karrieresprung haben in der Regel kurze Motivationsausschläge. Die Kurven flachen schnell wieder ab und es bedarf neuer, dann oft stärkerer Impulse.

Argumente, Vorgaben oder Belehrungen bewirken keine großen Verhaltensänderungen. Weder Verlockungen (Motivation), noch Zwang (Druck) führen Mitarbeiter wirklich – nachhaltig – zu mehr Leistung. Und wenn doch, dann in der Regel um einen hohen Preis: Entweder sie funktionieren nur noch, ohne ihre echten Potentiale einzusetzen, oder sie resignieren und gehen in die innere Kündigung. Denn die innere Haltung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verändert sich nicht durch äußere Impulse, sondern nur durch innere Einsicht.

Menschen bewegen sich dann von selbst, wenn ihnen selbst etwas bedeutsam ist. Jeder Mensch hat so einen Punkt der Bedeutsamkeit: „Welche Spur möchte ich in der Welt hinterlassen? Was berührt mich wirklich? Welche Vision ist so stark, dass sie mich von innen heraus bewegt und durch alle Probleme und Herausforderungen hindurchführt?“ Auf dieser Basis entsteht Begeisterung. Die Gehirnforschung hat herausgefunden, dass Kleinkinder bis zu 50 Mal am Tag begeistert sind. Wie oft am Tag sind Führungskräfte begeistert? Oder Mitarbeiter? Dabei meine ich wirklich begeistert.

Realität: Druck und Angst

Die Frage nach dem, was uns bedeutsam ist, wird selten gestellt. Vielmehr geht es oft nur darum, ein optimal funktionierendes Mitglied der Gesellschaft zu formen. Diesem gesellschaftlichen Druck sind wir – meist unbewusst – alle ausgesetzt. Doch Menschen unter Druck funktionieren nur. Im Gehirn ändert sich unter Druck gar nichts. Die Menschen versuchen dem Druck auszuweichen. Vordergründig vielleicht gefügiger, hintergründig aber uninteressierter. Durch zu viel Druck werden Unternehmen mehr bedroht als durch Wettbewerb.

Die Ergebnisse sehen wir, wenn es in den Unternehmen um Überforderung, Stress, Burnout oder Depression geht. Dabei meine ich nicht nur die tatsächlichen Arbeitsausfälle, sondern vielmehr die „stillen“ unerkannten Leistungsbremsen. In einer Untersuchung im Rahmen meiner Consultingtätigkeit in einem Unternehmen mit circa 20.000 Mitarbeitern gaben 78 % an, innerhalb eines Testzeitraums von 30 Tagen mehrfach überfordert und dadurch in ihrer Leistungsqualität eingeschränkt gewesen zu sein. Angst ist kein guter Leistungsmotor.

Außerdem machen viele Mitarbeiter in ihrer beruflichen Laufbahn und in ihren Unternehmen Erfahrungen, die sie nicht gerade beflügeln, sich mehr als notwendig für ihre Firma einzusetzen. Personalpolitische, betriebliche oder zwischenmenschliche Gründe spielen sehr oft eine Rolle. Nicht zuletzt sind einige Chefs – da sie Führung nicht wirklich gelernt haben – zu schwach, zu ängstlich oder zu selbstbezogen, um ihr Team bestmöglich zu führen. Dieses Führungsverhalten wird von einer Generation zur nächsten weitergegeben, anstatt Führung als wesentlichen Ausbildungsbaustein im Rahmen der Weiterbildungsmaßnahmen zu integrieren. Ein Wochenendseminar reicht nicht.

Ist eine Führungskultur über Bedeutsamkeit unrealistischer Luxus, oder hebt sie ein Unternehmen in eine neue Erfolgsdimension?

Eine Führung der Bedeutsamkeit in seinem Unternehmen bzw. Team zu etablieren, erfordert Mut und die Bereitschaft, für sich selbst und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Tiefe zu gehen. Das scheint im Rahmen des „unternehmerischen Alltags“ schwierig oder unmöglich. Die Erfahrung jedoch zeigt, dass es einfacher geht, als wir es uns vorstellen. Die langfristigen und nachhaltigen Qualitäts – und Erfolgssprünge sind enorm. Die dadurch eingesparten Ressourcen an Geld, Zeit und Energie bewegen sich im zweistelligen Prozentbereich.

Die neue Führung beginnt im Kopf

Nehmen Sie ein weißes Blatt Papier und fangen bei „Null“ an: Wo stehen Sie selbst? Was ist Ihr Lebenssinn? Welche Kernfähigkeiten haben Sie? Welche einschränkenden Verhaltensweisen und Denkmuster? Nach welchen Prinzipien wollen Sie wirklich handeln – und auch führen? Sie werden neue Erfahrungen machen. Sie werden authentisch und strahlen dies auf Ihre Umgebung aus. Diese innere Klarheit führt zu Begeisterung und Selbstvertrauen.

Ihre eigenen Verhaltensänderungen bewirken auch Verhaltensänderungen bei ihren Mitarbeitern. Dann gehen Sie den nächsten Schritt. Ändern können Sie – wie oben beschrieben – andere Menschen nicht. Aber Sie können einladen, ermutigen und inspirieren, Ihrem Beispiel zu folgen. Sie können Raum und Vorbild sein, in dem die Mitarbeiter selbst Ihre „Bedeutsamkeit“ erkennen können. Seien Sie einfach achtsam. Das wichtigste Potential einer Firma sind Sie, die Führungskraft, wenn Sie in der Lage sind Ihre Mitarbeiter zur Entfaltung ihrer Potentiale einzuladen.

Ja, es kostet Anfangs etwas Zeit, Energie und Engagement. Es kann auch dazu führen, dass Wege sich trennen. Aber wie viel mehr kostet es, ständig viel Geld, Zeit und Energie zu investieren, die Mitarbeiter bei Laune zu halten? Und wie viel Ertrag geht verloren, durch die nicht genutzten Potentiale?

Ein konkretes Beispiel

Herbert M. war in seinem alten Beruf unzufrieden. Er entschied sich, dem oben empfohlenen Weg zu folgen. Seinen Lebenssinn und Handlungsprinzipien zu finden, seine Fähigkeiten zu erkennen, die einschränkenden Verhaltensweisen zu transformieren und diese Impulse umzusetzen. Diese innere Klärung führte ihn in eine neue Position bei einem neuen Unternehmen, die er mit Begeisterung ausfüllt. Er ist nun Führungskraft eines international tätigen Teams.

Auf Grund seiner eigenen Erfahrungen wollte er, dass Steudemann & Partner auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seines Teams begleitet. Die Antwort aus dem Topmanagement war zunächst:“Das funktioniert bei uns nicht.“ Wir rieten dem Kunden daraufhin, einfach authentisch seinen Weg zu gehen und seine Führungsprinzipien innerhalb seines Teams zu leben. Acht Monate später bat ihn der zuständige Bereichsvorstand zum Gespräch. Er wollte wissen, wie er es geschafft hatte, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu diesem außergewöhnlichen Leistungs – und Qualitäts sprung zu führen.

Fazit

Viele Führungskräfte spüren, dass wir mit den bisherigen Methoden an Grenzen stoßen. Die Gehirnforschung zeigt klar die Lösung – den Schlüssel der Bedeutsamkeit. Es erfordert Mut, diesen Weg trotz der bestehenden Führungs – und Gewohnheitsstrukturen in Unternehmen einzuschlagen. In Anbetracht des enormen Einsatzes an Kapital und Zeit, sowie der großen Leistungsverluste ist die Implementierung dieser neuen Führungskultur jedoch unabdingbar. Unternehmen, die sich diesen Erkenntnissen öffnen, oder sie bereits praktizieren, gehört die Zukunft. Die Veränderung beginnt bei der Führungskraft selbst. Dann ergeben sich – wie in obigem Praxisbeispiel beschrieben – außerordentliche Quantensprünge bei Mitarbeitern und Teams.

Autor: Heinz Steudemann

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Steudemann Executive Coaching